Vor zehn Jahren habe ich einfach angefangen – ohne großen Plan, aber mit viel Neugier und einer großen Begeisterung für alte Spiele und Systeme. Die ersten beiden C64-Veröffentlichungen zusammen mit der »Technischen Maschinenfabrik« waren eher ein kleines Experiment als alles andere. Und doch war genau das der Startpunkt für eine Reise, die ich damals nicht absehen konnte.
Es folgten weitere Projekte mit usebox.net auf dem CPC und später die großartigen Interactive-Fiction-Spiele von Stefan Vogt, die ihren Weg auf viele unterschiedliche Plattformen gefunden haben. Nach und nach ist daraus etwas gewachsen, das heute rund 50 Systeme umfasst – von klassischen Heimcomputern bis hin zu sehr speziellen Exoten wie Watara Supervision, Osborne 1, Kaypro II oder der CBM-II-Serie. Auch neuere Retro-Systeme wie Spectrum Next und Mega65 sind inzwischen selbstverständlich Teil davon.
Ein besonderer Meilenstein war „Sam’s Journey“ für NES und Famicom. Ein Projekt, das deutlich größer geworden ist, als ich es mir am Anfang hätte vorstellen können – mit Soundtrack, verschiedenen Editionen und vielen kleinen Details, die es für mich zu etwas ganz Besonderem gemacht haben.
Insgesamt durfte ich in diesen zehn Jahren über 8000 Kunden, mehr als 12000 Bestellungen und rund 60000 verschickte Artikel begleiten – Zahlen, die sich im Alltag oft unscheinbar anfühlen, im Rückblick aber viel über die Dimension dieser Reise erzählen.
Natürlich war nicht alles einfach. Es gab immer wieder Verzögerungen durch fehlende Materialien, unterbrochene Versandwege oder neue Zollbestimmungen. Auch bei der Auslieferung von Bestellungen lief nicht immer alles glatt – manchmal sind Dinge hängen geblieben oder gingen im Alltag unter. Sollte es irgendwo noch offene oder ungelöste Fälle geben, meldet euch bitte unbedingt noch einmal bei mir. Es war nie Absicht, wenn etwas nicht beantwortet wurde.
Mit der Zeit ist poly.play über das reine Veröffentlichen von Spielen hinausgewachsen. Neben neuen Titeln entstanden auch die Bereiche „New Old Stock“-Spiele für Sammler, Hardware und Ersatzteile sowie ein kleines Merchandise-Angebot. Vieles davon hat sich einfach ergeben, weil die Szene lebendig ist und immer wieder neue Ideen entstehen.
Gleichzeitig ist der organisatorische und finanzielle Aufwand deutlich gestiegen. Lagerhaltung, Webshop-Betrieb, Produktion der Spiele, Verpackung, Versand und Buchhaltung greifen ineinander und sind in ihrer Gesamtheit schwer planbar und nur begrenzt kalkulierbar. Viele dieser Bereiche verursachen dauerhaft hohe Kosten, die sich mit den Einnahmen aus dem Projekt allein nicht decken lassen.
Deshalb habe ich über die Jahre immer wieder andere berufliche Tätigkeiten genutzt, um poly.play überhaupt weiterführen zu können. Es ist also kein klassisch „wirtschaftlich tragendes“ Projekt, sondern eines, das sehr stark durch persönliche Investition und Quersubventionierung möglich gemacht wurde. Genau deshalb werde ich nach 22 Jahren Selbstständigkeit im Medienbereich wieder eine Festanstellung annehmen und poly.play künftig in kleinerem Rahmen weiterführen. Auch die Verantwortung gegenüber meiner Familie mit vier Kindern spielt dabei eine sehr wichtige Rolle und macht diesen Schritt notwendig.
Das fällt mir nicht leicht, weil sehr viel Herzblut in all dem steckt. Umso mehr interessiert mich eure Perspektive: Was ist euch wichtig? Mehr neue Spiele für alte Systeme? Hardware und Ersatzteile? Oder eher Sammlereditionen und besondere Projekte?